Yay, du hast die Einladung zu einem WG-Casting erhalten! Jetzt ist es an der Zeit, dass du dir überlegst, was dir wichtig ist im Zusammenleben und welche Fragen du stellen möchtest.
Ok, ich gebe mal ein Beispiel: Direkt bevor ich nach Berlin gezogen bin, habe ich 3 Jahre alleine gewohnt, ich war Ende 20 und hatte andere Erwartungen an eine WG, als ich damals in meiner 4er WG mit Anfang/Mitte 20 hatte. Für mich war es wichtig, dass ich mit jemandem zusammen wohne, dessen Leben zu meinem passt und tatsächlich wollte ich nur mit einer oder maximal zwei Personen zusammenleben. Ein ähnliches Verständnis von Sauberkeit war mir sehr wichtig und dass unsere Interessen, ja vielleicht sogar Essgewohnheiten zusammen passen. Auf keinen Fall sollte es eine Zweck-WG sein, sondern Gemeinschaft und zusammen essen, reden, Zeit verbringen. Versteht mich nicht falsch, ähnliche Anforderungen hatte ich auch in meiner ersten WG, aber es hat dann doch einen Unterschied gemacht, dass ich ein paar Jahre älter war und manche Dinge für mich schwieriger verhandelbar.
Dann hatte ich ein Casting über Videocall. Tom war am anderen Ende des Bildschirms und das Erste, was ich gesagt habe, war: “Sorry, ich hab grad gegessen, tut mir leid, falls ich noch etwas zwischen den Zähnen hab.” Woraufhin er meinte: “Zeig mal, vielleicht seh ich ja was!” Somit war das Eis gebrochen. Er war mir sofort sympathisch und ich habe mich wohl gefühlt. Er vegetarisch, ich vegan. Wir beide sportlich, ähnliche Interessen und generell die gleichen Ansichten und Werte. Er wohnte dort eigentlich mit seiner Freundin, aber sie ging ins Auslandssemester. Das war für mich ehrlich gesagt auch eine Green Flag, da er schon mal mit einer Frau zusammen gewohnt hat und das war definitiv ein Pluspunkt. Leider nur eine Zwischenmiete für ein halbes Jahr, aber ich wollte da unbedingt wohnen und das habe ich dann auch.
Mit Tom zusammenzuwohnen, war für mich die schönste WG-Experience, die ich jemals hatte. Es hat einfach alles reibungslos funktioniert. Wir haben immer zusammen gekocht, ich habe seine Freund:innen kennengelernt und er meinte, wir haben zusammen Dinge unternommen oder ansonsten jeden Abend in der Küche verbracht und uns unterhalten, bis wir ins Bett gegangen sind. Zum Abspülen wurde das Discolicht eingeschaltet und die Musik aufgedreht, damit es mehr Spaß machte und ganz ehrlich: Putzen war nie ein Konflikt, es hat einfach funktioniert. Bis heute sind wir sehr gute Freunde und dafür bin ich echt dankbar.
Wie sieht der Alltag wirklich aus? Ist es ruhig oder belebt? Sind alle viel unterwegs oder eher zuhause? Kann man sich gut zurückziehen? Ist Gemeinschaft wichtig oder wird eher nebeneinander her gelebt? Werden Dinge direkt angesprochen oder stauen sie sich auf? Was genau bedeutet “sauber”? Werden Essen und Einkäufe geteilt oder strikt getrennt? Wie spontan darf Besuch sein und wie lange darf er bleiben? Wie werden Entscheidungen getroffen – zusammen oder macht jede:r sein Ding? Gibt es gemeinsame Abende, Check-ins oder kleine Rituale?
Das sind alles Dinge, über die du dir Gedanken machen solltest, damit du wirklich benennen kannst, was deine Erwartungen im Zusammenleben sind. Wenn du das für dich selbst weißt, kannst du ganz selbstbewusst in dein nächstes Casting gehen und findest sicher jemanden, der zu dir passt.
