Ich bin damals 2017 in meine erste WG gezogen. Ich war 21 Jahre alt und ängstlich, freudig und aufgeregt zur gleichen Zeit. Wir wird das werden? Ich kenne diese Personen gar nicht. Ja, wir haben uns beim WG-Casting kennengelernt, aber werden wir uns wirklich verstehen?
Der Umzug ist geschafft, meine Eltern sind gerade nach Hause gefahren und jetzt bin ich hier in dieser Wohnung – meinem neuen Zuhause. Wir wohnen hier zu viert: Lina, Mara, Jonas und ich. Heute ist aber nur Lina da mit ihrem Freund und ich frage mich, wie läuft das jetzt ab und was mache ich hier jetzt noch mit meinem Abend? Ich stehe im Bad und Lina kommt um die Ecke. Sie zieht mich aus meinem Gedankenkarussell und fragt mich, ob ich mit ihnen noch auf ein Fest in der Altstadt gehen will. Angst? Nein, nicht mehr. Ab jetzt nur noch Freude auf das neue Kapitel.
Wir haben von Anfang an viel zusammen als Mitbewohner:innen unternommen. Allein in den ersten paar Wochen waren wir bei einem Wildtiergehege und haben die Tiere gefüttert, haben zusammen im Hinterhof gegrillt, Singstar-Abende veranstaltet, etwas später waren wir regelmäßig alle zusammen bei Jonas Oma für Kaffee und Kuchen zu Besuch, wir sind zusammen feiern gegangen und auf Festivals gefahren. Wir haben uns kennengelernt, private Dinge miteinander geteilt, die Wohnung umgestaltet und uns gegenseitig unterstützt. Wir sind Freunde geworden und jeder hat seine Individualität ins WG-Leben eingebracht. Natürlich gab es Konflikte, aber keine, die wir nicht zusammen lösen konnten.
Wenn man in seinen 20ern in einer WG wohnt, kommt es durchaus vor, dass Mitbewohner:innen, die man lieb gewonnen hat, einfach wieder ausziehen. Manche sind mit dem Studium fertig und ziehen in eine andere Stadt, andere ziehen mit Partner:innen zusammen. Das ist im ersten Moment ziemlich traurig, aber mit großer Sicherheit kommen da neue Menschen in die Wohnung, mit denen man neue Beziehungen aufbauen kann, von denen man Neues lernen kann und genau das formt einen in dieser Lebensphase.
Was ich damit sagen will: Ich weiß, dass es scary ist, aber das bleibt es nicht. Man kann tolle Menschen finden, sich mit ihnen ein Zuhause teilen und gemeinsam wachsen. Traut euch, es lohnt sich!
